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WSV Au

WSV Au - Portrait eines Vereins

Aus der Gründerzeit:

In den 20-er Jahren wurde wiederum schigefahren. Der Chronist berichtet, daß man sich jeden Sonntag nachmittag zum Üben traf, und auch jedesmal soll früher oder später die ausgeschwitzte Flüssigkeit in einem Gasthaus wieder ersetzt worden sein.
Fridolin Beer
Auf Betreiben von Fridolin Beer (Rehmen 36) gingen die Schifahrer 1934 an die Gründung eines Vereins. Am 20.02.1935 fand die Gründungsversammlung des Schiclubs Au-Schoppernau im Gasthaus Taube in Au statt.  Als erster Obmann wurde Fridolin Beer, als dessen Stellvertreter Anton Wüstner (Argenstein/Argenau 68) gewählt.Anton Wüstner

Weitere Vorstandsmitglieder waren Jakob Felder als Kassier und Josef Ritter als Schriftführer. Als erster Schilehrer konnte Herr Alois Burtscher gewonnen werden. Dieser erklärte bei der Versammling. "er glaube, daß auch in unser Bergland Gäste kommen, um dem weißen Sport zu huldigen, da das Gelände für Anfänger und Fortgeschritten ideal sei."


Der erste Vereinslauf wurde am 31.03.1935 durchgeführt. Die Rennstrecke führte als Abfahrtslauf vom Alpengasthof Öberle durchs Ried, als Anstieg über den Hinterrain zum Grunholz und als "Slalom" zum Gasthof Rössle. Vereinsmeister wurde Karl Rupprechter (Argenau). Er wurde im Ziel vom Musikverein empfangen. Als Zweiter und Dritter klassierten sich Josef Metzler (Argenau 361) und Johann Madlener (Argenau 123).


Vereinsrennen WSV Au

Als Austragungsort für das zweite Vereinsrennen wurde der Lug (Grappa-Alpe Säckel) gewählt. Für das Auslassen eines Tores wurde ein Zuschlag von 50 Sekunden festgelegt. Wegen andauernden Schneemangels konnte das Rennen aber nicht durchgeführt werden.
Vereinsrennen WSV Au
Im Winter 1936/37 ersuchte der WSV Au um Aufnahme in den VSV (damals noch VVS) bzw. ÖSV, um verbandsoffene Rennen durchführen zu können.

Es folgte ein weiteres Rennen vom Öberle bzw. "Studerhag" mit Ziel bei der Taube in Argenau. Der Chronist berichtet, daß der Sieger des Rennens schneller im Ziel gewesen sein soll als die Leute von der Zeitnehmung. Als er nämlich im Ziel ankam, sollen sie sich noch bei Bier und Wein im Gasthof aufgehalten haben.

Während des 2. Weltkrieges ruhte die Vereinstätigkeit.

Neubeginn nach dem 2. Weltkrieg

Im Dezember 1946 erfolgte ein Neubeginn. Die Schoppernauer hatten einen eigenen Verein gegründet und Hermann Geiger wurde als neuer Obmann gewählt. Er drückte einen Wunsch aller Sportler aus "Bei uns gibt es keine Registrierten und Nichtregistrierten, bei uns gibt es nur Sportfreunde".
Bei einem fairen Wettkampf wurde der Vereinsmeistertitel vergeben. Der Chronist berichtet: "Im März war 1 m Neuschnee gefallen, und die Rennläufer stiegen Richtung Berbigen auf. Die Abfahrtspiste war nur eine Schibreite getreten und die Rennläufer hatten alle Mühe, ohne Sturz ins Tal zu kommen. Einige Teilnehmer bestrichen ihre Schier mit Klister, um die Fahrt zu verlangsamen und nicht zu stürzen und wurden auch prompt Vereinsmeister."

Gemeinsam ging man an die Ausbesserung der Abfahrtsstrecke vom Lug. Am 11.01.1948 waren 82 Läufer auf dem Lug, um sich beim Schirennen zu messen. Karl Schlattinger aus Tschagguns (er soll 7 Läufer überholt haben) erzielte in 9 Minuten 42 Sekunden Tagesbestzeit. Wilfried Hofer belegte in der Juniorenklasse den 2. Platz, Karl Rupprechter gewann die Altersklasse. Der Chronist berichtet: "Die Musikkapelle Au begleitete die ganze Rennerschar unter schneidigen Klängen alter Märsche durchs Argenauer Dörfle in die Krone, wo anschließend der Sportball und die Preisverteilung ausgiebig gefeiert wurde."

Im selben Jahr wurde ein weiterer Lug-Abfahrtslauf durchgeführt. Zusammen mit einem Torlauf im Argenzipfel wurde ein Kombinationstitel vergeben.

1945 hatte die "Krone in Au" den französischen Besatzern als Quartier gedient. Unter den Soldaten war auch ein Direktor eines Pariser Gymnasiums. Mit ihm kamen 1949 neunzig Buben in die Krone. Walter Lingg, Kronenwirt, lieh in vielen Auern Haushalten Schiausrüstungen aus. Die besten Schiläufer des Dorfes wurden als Schilehrer geworben. Als die Schilehrer mit den Buben in die Argenauer Felder zum Schifahren gingen, füllten sie vorsichtshalber ihre Taschen mit Spagat um Bindungsprobleme schnell beheben zu können. Viele der Pariser Buben lernten das Schifahren und kamen später wieder nach Au.

Ab 1949 wurden wieder regelmäßig Schülerschirennen für Au und Rehmen durchgeführt. Der Nachwuchs sollte gefördert werden. Später kam es regelmäßig zum Kräftemessen mit Schülern von Damüls und Fontanella.

Auch der Rodelsport hatte seine Anhänger. Ein Rodelrennen mit starker Beteiligung der Bevölkerung wurde 1949 auf der Strecke Argenfall mit Ziel im Gasthof Bären durchgeführt. Als Sieger des Rodel- und Hornerrennens wurden Antonia Bischof (Damenrodel), Dr. Peter Ritter (Herrenrodel) und Wendelin Dünser (Hornerschlitten) gefeiert.

Bei der Bregenzerwälder Schimeisterschaft 1949 mit Abfahrtslauf vom Sattel konnten sich die Auer im Spitzenfeld klassieren.

Ergebnisse der Teilnehmer aus Au: 

 Jugendklasse I  2. Elmar Albrecht
   3. Michael Feurstein
 Jugendklasse II  4. Helmut Hofer
 Mädchen  1. Elvira Albrecht
 Junioren  1. Wilfried Hofer


Im Torlauf und Kombination gab es ähnlich gute Ergebnisse für die Auer. Wäldermeister wurde Herbert Bader aus Hittisau, gefolgt von den Damülsern Oskar Bertsch, Mathias Bischof und Leo Bischof.

In den folgenden Jahren fanden die Lug-Abfahrtsläufe einen fixen Platz im Rennkalender der besten Schiläufer Vorarlbergs. 1952 stellt der oftmalige Sieger Herbert Bader einen nie mehr unterbotenen Streckenrekord auf. Seine Siegerzeit: 3.49.90. Er meisterte die Strecke ohne Sturz, was zu dieser Zeit sonst kaum einem gelang. Bei diesem Rennen fielen zwei Auer Läufer (Karl Fetz und Reinhard Lingg) durch Fußbruch aus.

Der WSV Au war ein überaus reger Verein. So nahmen z.B. die Schiläufer aus Au im Winter 51/52 an 14 verschiedenen Rennen in ganz Vorarlberg teil. Landesmeisterschaft, Dür-Gedächtnislauf (Sibratsgfäll), Wälder Meisterschaft, Hirschbergabfahrtslauf, Kreuzmandl,... um nur einige zu nennen.

Der Chronist berichtet: Vor einem Hirschberglauf sollen sich die Auer Schiläufer im Gasthof Hirschen in Bizau aufgehalten haben. Ein Rennläufer soll dort 25 Spiegeleier und 3 Bier als Stärkung zu sich genommen haben. Über eine Platzierung berichtet der Chronist aber nicht mehr. Weiters wird berichtet daß ein Schiläufer die Torläufe immer mit einem "Staubmantel" bestritten haben soll. Ein anderes Mal waren die Rennläufer auf dem Weg zum Tannberglauf. Aufgrund einer eisigen Straßenstelle oberhalb von Neßlegg kamen sie mit dem Auto nicht mehr vorwärts. Sie sammelten rasch Reisig und machten in der Straße ein Feuer um das Eis aufzutauen. Als das Feuer lichterloh brannte, kam ihnen ein Auto entgegen. Auf der glatten Straße rutschte das Auto und schob den brennenden Reisig vor sich her. Die Rennläufer hatten alle Mühe das Feuer unter Kontrolle zu bringen.

Auch an Vielfältigkeit mangelte es nicht. Neben den Schirennen wurden laufend Rodelrennen und 1951 das erste Skijöring in Au durchgeführt. Die Strecke führte rund ums Dorf.

Das erste Liftprojekt wurde auf Initiative von Walter Lingg sen. im Ried verwirklicht (1951). Die Lifttrasse führte oberhalb vom "Argensteg" durch das vordere Ried. Im nächsten Winter wurde derselbe Lift im Argenzipfler Hinterteil neu aufgebaut. An dieser "Anlage" wurde sogar ein Scheinwerfer für den Nachtschilauf angebracht. Dies soll einem Bauern sehr mißfallen haben. Der Chronist berichtet, daß der Bauer eines Nachts bei Dunkelheit einen Misthaufen mitten in der Aufstiegspur angelegt haben soll. Der Lift wurde im folgenden Frühling wieder abgebrochen und nach Damüls verkauft.

Die erfolgreichsten Schiläufer dieser Jahre zeigt ein Ergebnis der Vereinsmeisterschaft von 1953. Es war dies ein Riesentorlauf von berbigen über Bengath nach Rehmen.

Vereinsmeister  Elmar Albrecht 
Vereinsmeisterin Elvira Albrecht
Jugend I Gebhard Moosbrugger und Kurt Hofer
Jugend II Richard Simma und Gebhard Feurstein 
Junioren Egon Hofer
Allgemeine Jakob Riedlinger und Helmut Hofer
Damen Anna Wüstner 
Schüler Knaben Werner Muxel und Hermann Kaufmann
Schüler Mädchen Eugenie Rüscher und Hedwig Heimböck

 

Am Heiligen Abend 1953 wude bei aperen Hängen in Rehmen ein Schilift aufgestellt. Es war dies der "Stemag-Lift" am Schattenbühel in Rehmen. Dieser Lift wurde aber bald wieder abgebrochen und auf der Lisse wieder aufgestellt.

1956 stellte der WSV Au den Antrag um Aufnahme in den Österr. Rodelverband. Im Verein herrschte zu dieser Zeit eine enorme Begeisterung für den Rodelsport. Zugpferd war Jakob Muxel (Michlo Jokl). Er war zu dieser Zeit in Götzis beschäftigt und auch dort Mitglied des Rodelclubs. Er brachte sogar einen Rennrodel mit nach Au. Nach dessen Maßen fertigten Leonhard Felder und Rudolf Heimböck eigene Rodel. Die Rodler fühlten sich aber immer als Stiefkinder des Wintersprotvereins.

Wie in jedem Verein gab es auch beim WSV Au Höhen und Tiefen. Jahre in denen erfolgreich gearbeitet wurde und Jahre in denen die Zusammenarbeit weniger funktionierte. Auf Zeiten mit vielen erfolgreichen Schifahrern folgten Zeiten mit einigen wenigen "Aushängeschildern". Aber immer wieder steckten sich die Mitglieder und Funktionäre neue Ziele und verfolgten diese auch zielstrebig.

Aufschwung in den 60er Jahren:

In den 60er Jahren nahm der Schilauf einen gewaltigen Aufschwung. Immer mehr Auer begeisterten sich am weißen Element, und es kamen auch zunehmend mehr Gäste, um dem Wintersport zu frönen.
Im Jahre 1963 konnte der Grunholzlift seinen Betrieb aufnehmen, und zwei Jahre später erfolgte die Eröffnung der Bergbahnen Diedamskopf.
Im Jahre 1965 übernahm Adolf Gorbach die Obmannstelle. Unter seiner Führung, er war insgesamt 18 Jahre Obmann, erlebte der Wintersportverein eine Blütezeit. Er konnte stets mit der Unterstützung seiner Mannschaft rechnen. Zu den Aktivsten zählten Adolf Natter als Langzeitschriftführer, Josef Albrecht als Kampfrichter und Peter Strolz als "Mädchen für alles".
Durch die Erfolge von Wilfried Muxel, Peter Rüf und Reinhard Moosmann zog es viele junge Auer zum Wintersportverein. In der Saison 69/70 konnte die Mitgliederzahl von 82 auf 183 Mitglieder gesteigert werden. Zusätzlich motiviert wurden junge Schifahrer durch die Großveranstaltungen, FIS-Rennen, ÖSV-Meisterschaften und dergleichen, die anfangs der 70er Jahre vom WSV Au durchgeführt wurden. Junge Talente versuchten sich auf lokaler und nationaler Ebene.

Von Zeit zu Zeit veranstaltete der WSV Au auch Vergleichsschirennen für Auer Vereine. So nahmen z.B. am 19.01.1969 27 Mannschaften aus 13 Auer Vereinen teil. 1972 nahmen nicht nur Vereine, sondern auch Firmen am Mannschaftsrennen teil. Der Chronist berichtet, daß schon Monate (!) vor dem Rennen um die Gunst von "guten" Fahrern geworben sein soll, und daß mit den besten Schifahrern ein richtiger "Kuhhandel" betrieben wurde. Die ersten Plätze belegte die Schischule vor der Bergrettung und der Fa. Hans Rüscher.

In den ausgehenden 60er Jahren tauchten einige mutige Burschen mit Schibobs auf den Pisten des Bregenzerwaldes auf. Einige Auer bastelten oder besorgten sich ein solches Gerät. Der entscheidende Durchbruch ist dieser Sportart aber nie gelungen.

Mit Fertigstellung des Turnsaales bei der Auer Schule bot sich auch den Mitgliedern des Wintersportvereins eine Möglichkeit, wohlvorbereitet in die Wintersaison zu starten. Die ersten Gymnastikabende im Winter 73/74 leitete Hans Bayer. In den Folgejahren war Hans Fetz "Vorturner". Ihm folgte Werner Geiger, der bis heute für die Fitness der Schisportler sorgt.

Ab 1976 wurden jährlich neben den alpinen auch nordische Meisterschaften durchgeführt. Der Langlaufsport erlebte in diesen Jahren einen wahren Boom. Das Gelände un Au-Schoppernau ist für diesen Sport bestens geeignet. Beim zweiten Vereinslanglauf (76/77) meldeten sich 146 Langläufer am Start.

Im alpinen Bereich kam es zu einem Rückgang. Hermann Geiger der als DER Förderer des Kinderschilaufs in Au bezeichnet werden kann, gab zwar sein Bestes, aber ohne die Unterstützung von allen Seiten war eine entsprechende Arbeit schwer möglich. Auch wurden die Kaderplätze vorwiegend mit Kindern aus der Schihauptschule Schruns besetzt. Das Ziel Kinder- und Jugendförderung wurde neu formuliert. Es sollte nicht mehr der Rennaluf als einzige Zielsetzung verfolgt werden, sondern auch der sportliche Schilauf in der Breite gefördert werden. Lehrer und Mitglieder ds WSV Au nahmen sich der jungen Schisportler an und zeigten ihnen den Weg zum sportlichen Schilauf.

 

Aus der Festzeitschrift zum 60 jährigen Bestehen des WSV Au /1935 bis 1995)

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